Bestimmung leben

Als Elke Schwan-Köhr mich fragte, ob ich bei ihrer Blogparade mit dem Titel „Einen Scheiß muss ich“ teilnehmen wollte, war sofort klar: Da bin ich gerne dabei. Denn es passte in den letzten Monaten wie A*** auf Eimer zu mir. So oft schon hatte ich davon geschrieben, dass herkömmliche Strategien rund um Business, Marketing & Co. bei mir nicht funktionieren.

Und dieser Spruch wurde mal wieder wahr, als ich Elkes erste Deadline riss. Ok, ok, ich hatte eine hervorragende Ausrede. Ich erfuhr erst wenige Tage vorher von der Blogparade. Die Verlängerung der Frist stand da schon im Raum. Doch dann riss ich auch die zweite Deadline. Und veröffentlichte in der Zwischenzeit auch noch einen Text bei Facebook, in dem ich davon berichtete, wie ich bei einem anderen Artikel auch die Deadline nicht einhielt. Und so wurde mir spätestens dann – mal wieder – klar, dass hinter den gerissenen Deadlines ein System steckte. Welches ich zu ergründen hatte.

Wenn ich ehrlich zu Dir bin

Mein Business dürfte es so eigentlich gar nicht geben. Zumindest wenn man auf das hört, was klassischerweise im (Online-) Marketing gelehrt wird. Gängige Empfehlung ist da immer noch:

  • eine klare Positionierung, am besten eine Nische
  • eine Zielgruppe, für die man ein Problem löst
  • ein Freebie bzw. Lead Magneten für den Aufbau der E-Mail-Liste
  • einen Sales Funnel, damit die Menschen auch wirklich kaufen

Als Coach kommt dazu, dass Du

  • keine Einzelstunden, sondern Pakete verkaufen solltest
  • möglichst High Price unterwegs sein solltest
  • nicht die Methoden, sondern die Problemlösung in den Vordergrund stellen solltest

Und so weiter.

Vieles davon mache ich …

… nicht. (Einiges schon.) Nicht, weil ich nicht will. Ich wollte das immer. Habe viel Geld dafür bezahlt, das zu bekommen. Zig Trainer und Coaches haben sich an mir die Zähne ausgebissen. Es leuchtete mir alles ein. Ehrlich.

Aber ich konnte nicht. Mein Inneres rebellierte und wollte es anders/individueller/persönlicher machen. Irgendwas war falsch. Irgendwas fehlte. Irgendwas war zu eng, zu klein, zu wenig.

Mein System meldete einfach „Nope“.

Versteh mich also nicht falsch. Ich habe nix gegen Marketing. Und natürlich versuchte ich mein System zu überlisten. Tat es trotzdem. Machte mir Pläne. Arbeitete streng meine To-Do-Liste ab. Doch insgeheim ahnte ich immer, dass mein manchmal unzuverlässiges oder prokrastinierendes Verhalten eben viel mehr zu bedeuten hatte als Unzuverlässigkeit oder Prokrastination. Ich BIN nämlich zuverlässig. Ich kenne die Termine, und ich bin auch in der Lage, mich dranzuhalten. Ich bin weder chaotisch noch überfordert noch sonst was. Im Gegenteil: Ich bin ein klarer und strukturierter Typ. Und ich BIN auch zielstrebig. Wenn ich für etwas brenne, dann setze ich um. Mit ganz viel Liebe.

Worum es wirklich geht

Mir wurde also klar, dass mein Inneres mich auf eine wichtige Sache hinweisen wollte. Es ging darum, ob ich funktionieren würde – oder nicht. Ob ich mich an „so macht man das“ halten würde – oder nicht. Ob ich „performen“ würde – oder nicht. Alle diese Punkte hatte ich den größten Teil meines Lebens abgenickt und selbstverständlich eingehalten.

Ich habe IMMER funktioniert, performed und mich an die Regeln gehalten.

Wie ich nach einer schweren Erkrankung erkennen durfte – zu sehr. Zu viel. Zu angepasst.

Anfangs war in Bezug auf Marketing eine Art bockiger Widerstand in mir. Auch mal Wut. Auch ein Unvermögen so zu funktionieren wie die Online-Welt es vermeintlich von mir erwartete.

Doch dann änderte sich was

Ich spürte tief in mir so viel mehr. Es kam mit der Zeit eine innere Gewissheit. Ein tiefes Wissen, dass es für mich einen anderen Weg gibt. Einen Weg, der für mich leicht, einfach und erfüllend ist. Einen Weg, den ich vorgehen darf. Für all die Menschen, die genauso strugglen wie ich, wenn sie „so macht man das“ hören. Einen Weg, der zu beschreiten ist, weil das Alte, das Männliche und das Verkopfte nicht mehr lange wirken wird.

Und mit dieser Gewissheit kam die Angst. Was würde passieren, wenn ich es mal nicht perfekt machen würde? Wenn ich mich nicht an die Regeln halten würde? Wenn ich es anders mache als andere?

Es kam die Angst, dass ich – gerade im Business – mich besser an das halten sollte, was die Profis lehren. Dass diese Menschen viel länger dabei sind als ich, und es somit viel besser wüssten. Es kam die Angst, dass ich wieder in die Festanstellung müsste, einen Nebenjob bräuchte oder 24/7 rackern dürfte, um in meinem Business zu überleben.

Es war kein leichter Prozess, durch den ich ging. Aus einem simplen „Einen Scheiß muss ich“ wurde eine bewusste Reise nach Innen. Es kamen eine ganze Menge Annahmen, Bewertungen und Konditionierungen hoch, die über die Jahrzehnte fest an mir angehaftet hatten. Und die jetzt gehen wollten.

Was ich sehen durfte

Und ich erkannte: Hier geht es nicht einfach um Business oder Marketing. Das ist nur die äußere Form dessen, was ich wie in die Welt geben möchte. Es geht um mehr. Nämlich darum, meine Aufgabe in dieser Welt wahrzunehmen.

Und deswegen fragte ich mich (und natürlich auch Dich):

  • Was geht in Dir vor, wenn Du Dinge machst, die gegen Deine Intuition sind?
  • Was passiert mit Deiner Aufgabe in dieser Welt, wenn Du nicht alles lernst, was dafür erforderlich ist, sie voll ausleben zu können?

Und die Antworten waren schnell klar: Meine Intuition liegt immer richtig. Ich bin fest verbunden – mit mir, meiner Seele, meiner Wahrheit. Das war nicht immer so. Aber jetzt ist es so. Also wusste ich: Ich bin auf dem richtigen Weg. Auf mein Gespür kann ich mich verlassen.

Das nenne ich übrigens intuitives Marketing

Intuitives Marketing beinhaltet, dass Du …

  • ein paar Grundzüge des Marketings verstehst :-)
  • zu 100 % auf Dein Bauchgefühl hörst
  • auch Dinge tust, die Dein Coach anders machen würde
  • vermeintlich seltsame Aktivitäten tust, weil sie für Dich Sinn machen
  • Dein eigenes „System“ für die „Kundengewinnung“ entwickelst
  • die Dinge kritisch hinterfragst und nur das tust, was mit Deinen Werten übereinstimmst

Aber am wichtigsten ist:

Intuitives Marketing bedeutet, dass Du Dein Business aus dem Herzen führst.

Und nicht aus der Angst – keine Kunden, kein Geld etc. – Entscheidungen triffst, die nicht zu Dir passen. Und ja: Das ist vor allem dann wichtig, wenn Du Deine Bestimmung lebst. Wenn Du Deiner Aufgabe nachgehst. Und nicht „irgendein“ nettes Online-Business führst.

Was meine innere Stimme mir also sagen wollte

Die Form, wie wir Business und Marketing leben, wird sich verändern. Höher, schneller, weiter wird sterben. Und es wird immer mehr Menschen geben, die auch dieser Meinung sind und die mir folgen. Es ist jetzt mein Job voranzugehen. Eine Anführerin zu sein. Eine Bewegung zu kreieren.

Zu gehen, mich sichtbar zu machen, über meine Struggles zu sprechen und dennoch sicher zu wissen:

DAS ist die neue Form von „Business“.

Business ist nicht Business.

Business ist Sein und Wirken.

Seine Bestimmung leben.

Sich mit sich und seiner Aufgabe verbunden fühlen.

Und ja, ich weiß, das ist nicht für jeden was. Aber ich WEISS, dass sich so unendlich viele Menschen danach sehnen, herauszutreten aus dem Schatten und sich voll und ganz ihrer inneren Überzeugung zu verschreiben. Gehörst Du auch dazu?

Es geht darum, einen Unterschied zu machen. Denn da draußen gibt es noch immer so viele Menschen, die ihr Marketing, ihr Business, ihre Launches als eine Art Kampf durchführen. Einen Kampf, bei dem es einen Verlierer gibt: Dich. Und einen Kampf, bei dem es keine Gewinner gibt. Denn die Energie, mit der Du Deine Arbeit in die Welt gibst, entscheidet über die Wirkung. Was bewirkst Du in der Welt, wenn Du kämpfst, Dich überarbeitest, aus dem Kopf Dein Marketing steuerst und am Ende eines Launches zusammen sackst? Es mit „Das ist eben mal anstrengend“ oder „So ist das halt“ abtust? Was passiert?

Du senkst Dein eigenes Energielevel, weil es Dir nicht richtig gut geht. Du bist im Mangel. Und das wirkt sich IMMER aus – auf Deine Kunden, auf die Menschen, die mit Dir gehen. Deine Aktivitäten entstehen damit nicht aus Liebe für die Menschen und für Dein Tun. Sondern aus der Angst, was passiert – mit Dir, Deinem Business, Deinem Kontostand etc. – wenn Du zu wenig kämpfst, machst und tust. Willst Du das wirklich? Oder willst Du es nicht einfacher, leichter und erfüllender?

Fazit

„Einen Scheiß muss ich“ ist also viel mehr als Trotz. Es ist eine bewusste Entscheidung, etwas so zu machen, wie Dein innerer Ruf es Dir vorgibt. Auch und gerade dann, wenn dieser innere Ruf etwas ganz anderes vermittelt als der Markt, das Außen es Dir vormachen will. Das ist nicht immer easy peasy.

Aber hey – wir brauchen Dich. Trau Dich genau hinzuschauen. Und trau Dich, diesen Weg zu gehen. Und damit den Glauben an eine neue, andere Welt zu unterfüttern.

Lass uns zusammenhalten. Ich danke Dir von Herzen dafür.

(Photo by Becca Tapert)

2 Kommentare
  1. Nadine
    Nadine sagte:

    Liebe Sandra,

    großartig! Wundervoll! Superb!! Meine drei kleinen Worte drücken nicht annähernd aus, was ich gelesen, gehört, gespürt und geschmeckt habe, als ich deinen Artikel gelesen habe. Denn – mir geht es ganz genauso.
    Ich danke dir von Herzen für deine Zeilen! Es ist eine Wohltat, zu wissen, dass man – ich – nicht alleine in dieser riesigen Online-Welt ist, in der „höher, schneller, weiter“ und “ so und so macht man das“ immer noch das Nonplusultra ist.

    Ganz lieben Dank

    Nadine

    Antworten
    • Sandra Lotz
      Sandra Lotz sagte:

      Liebe Nadine,

      ich danke Dir von Herzen für Deine Zeilen … Auch mir tut es gut, zu wissen, dass meine Texte gelesen werden und dass ich nicht die Einzige bin, die so empfindet.
      Lass uns gemeinsam voran reiten. Ich bin mir sicher, es wird auf dem Markt noch viel passieren und sich verändern.

      Alles Liebe
      Sandra

      Antworten

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