Herzensbusiness

Im Grunde ist Coach sein der schwierigste Job der Welt.

Ach nee, schwierig sagen wir ja nicht mehr.

Also: Herausfordernd.

Ich meine: Intensiv.

Oder auch: Begleitet von Höhen und Tiefen.

Ein Teil der Menschen, die als Coach arbeiten oder es vorhaben, wollen – oft auf Basis der eigenen, schmerzhaften Erfahrungen – etwas weitergeben und den Menschen helfen.

Bei dieser Gruppe passiert dann Folgendes

Die eigene, große und wundervolle Vision von der selbstbestimmten und erfüllten Arbeit als Coach zerfällt im Verlauf der Beschäftigung mit dem ebenfalls wundervollen Thema Market .. äh … Sichtbarke … äh … Kundengewin … äh … verdammt, das Geld ist alle!!

Obwohl groß angetreten, verlierst Du Dich mit der Zeit in Details, in Technik, in Grafiken oder einfach in der Aussage, Du müsstest Dich erst um Deine Blockaden, Dein Mindset und natürlich Dein Money (!) Mindset kümmern.

Was vollkommen verschütt geht – und das ist leider kein Einzelfall – ist, die Liebe zu den Menschen und das helfen wollen. Die gesamte Aufmerksamkeit richtet sich plötzlich nur noch auf das eine: Kunden! Geld! Jetzt!

Das Ding ist:

Wenn Du Geld machen willst, solltest Du kein Coach werden. Und zwar nicht deswegen, weil Du als Coach kein Geld verdienen kannst. Nee, nee, nee – das meine ich nicht. Sondern deswegen weil die innere Ausrichtung auf Geld Dich weg von Deiner – mal vorhandenen – Herzensüberzeugung bringt. Und das „weg von“ Dich auch „weg bringt“ von dem, was Du Dir wünscht: Menschen, mit denen Du arbeiten kannst. Aka Kunden, Klienten, schnurzpiepegal.

Jetzt nehmen wir mal an, Du hast Dich wieder irgendwie gefangen und irgendwie Deinen Weg hin zu Liebe, Kunden & Geld gefunden. Damit bist Du schon mal deutlich weiter als der größte Teil der Menschen, die mal angefangen haben.

Aber jetzt kommt das nächste Problem!

Das war auch immer schon da, aber da warst Du noch mit dem Geld beschäftigt!

Deine Kunden spiegeln Dich plötzlich extrem. Du ziehst Menschen mit Deinen eigenen Themen an. Dein Kunde schleppt ein Thema an, was Du nicht mal 24 Stunden, äh, Minuten, äh Sekunden, vorher „gelöst“ hast. Und zwar in einer Tour. Wenn Du also nicht aufpasst, bist Du plötzlich 24/7 in extrem wundervollen und genauso extrem kotzigen „Personal Development-Prozessen“, die Dich rund um die Uhr gefangen nehmen.

Plötzlich beginnen Begriffe wie „Raum halten“ eine ganz neue Bedeutung zu bekommen. Wenn Du gut bist, verstehst Du, dass Dein Kunde seins hat. Und Du hast Deins. Und Deins hat in der Arbeit mit Deinen Leuten nix verloren. Wenn Du es nicht besser weißt, verstehst Du nur eins: Coaching-Gespräche können ganz schön haarig sein. Und ob Du gerade wirklich, wirklich helfen konntest, ist Dir manchmal leider schleierhaft. Aber Du hoffst.

Und das Ding ist: In sehr vielen Coaching-Ausbildungen wird das nicht gelehrt. Es ist einfach nicht bewusst. BE-WUSST. Es geht um Methoden und Tralala und wenn man das ordentlich macht, dann macht man es ordentlich.

Nur …

… wenn Du selbst auch nur etwas sensibel bist, dann SPÜRST DU es. Auch wenn Du es nicht greifen kannst. Aber es ist da. Ehrlich.

Und das ist vielleicht der geheime Grund dahinter, warum so viele Menschen sich als Coach bezeichnen, aber keiner sind. Sie „coachen“ Dich bei was auch immer. Aber die tiefen inneren Themen? Zu heikel … Denn dort läufst Du ja dauerhaft Gefahr, jemand anderem Deine eigenen Themen aufzudrücken und ihn in etwas rein- oder in etwas runter- oder von etwas weg-zu-coachen, was Deinem eigenen Weltbild nicht passt oder passt – je nachdem.

Tricky.

Der einfache Weg?

Du nennst Dich einfach Mentor. Ok, Spaß. ;-)

Oder Du lässt Dein Faible für persönliches Wachstum nicht zu viel Raum einnehmen und konzentrierst Dich auf ein Fach- aka (bei vielen, aber nicht bei allen) Vernunftsbusiness. Oder Du bleibst einfach an der Oberfläche. Redest über Mindset-Blub Blub und willst glauben, dass das reicht.

Nur leider reicht das eben oft nicht.

Denn der innere Ruf ist stärker.

Wir WOLLEN uns ja erinnern.

Wir WOLLEN ja wirklich frei sein.

Wir WOLLEN ja unsere Bestimmung leben.

Also weiter geht’s. Aus voller Überzeugung. In dem schönsten und zugleich auch schwierigsten, weil intensivsten und herausfordernsten und überhaupt Beruf der Welt: Coach im Bereich persönliche Weiterentwicklung. Insbesondere dann, wenn Du weißt, dass Weiterentwicklung nicht bei Mindset & Co. endet. Sondern es im Kern um noch viel mehr bzw. um ganz was anders geht.

Und dennoch: Wenn Du Deine Bestimmung lebst, darf und wird es auch einfach sein. Auch wenn Dein Erinnerungsprozess mal intensiv ist. I feel you. Von Herzen.

 

(Photo by Darius Bashar)

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